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Florianstag – Balaton und vier Unerschrockene Drucken
Geschrieben von: Günter Reiser   
Samstag, den 05. Juli 2003

Flug zur Pleidelsheimer Partnergemeinde Fertöszentmiklos.

Flugdaten:
Zeitraum:
26.06.2002 - 29.06.2002
Gesamtflugzeit:
10h 44 min
Gesamtstrecke:
1450 km
Geschwindigkeit:
135 km/h
höchste geflogene Höhe:
2100 m

Am Anfang für diesen Fliegertrip stand, wie so oft, ein  in einer Bierlaune ausgesprochener Spruch, dass es eigentlich ein Witz sei, nach acht Jahren Städtepartnerschaft mit Fertöszentmiklos und dem dort vorhandenen, sehr komfortablen Flugplatz der Pleidelsheimer Partnergemeinde noch keinen Besuch abgestattet zu haben. Und so kam es gerade recht, als die Gemeinde Pleidelsheim einen Besuch zum Feuerwehrfest in Fertöszentmiklos ausschrieb.

Vier Unerschrockene meldeten sich umgehend an. Natürlich wollten wir nicht mit dem Bus, sondern unserem Hobby entsprechend, mit zwei Flugzeugen anreisen, folglich charterten wir uns in Mosbach zusätzlich zu unserem eigenen Motorsegler ein Ultraleichtflugzeug (UL). Nach dem Beschaffen von Kartenmaterial, Zollbestimmungen, Fachberichten, Ein- und Überflugbestimmungen legten wir in einer sehr gründlichen Flugvorbereitung sämtliche Details fest, die zum Durchführen eines solchen Fluges zwingend notwendig sind.

Passau

Passau

Am 28. Juni war es dann soweit. Nach dem Aufstehen um sechs Uhr wurde zuerst eine lückenlose Wetterberatung eingeholt d. h. von Baden-Württemberg, Bayern, Oberösterreich, Niederösterreich und dem westlichen Ungarn. Danach war uns allen klar, ab Linz würde es schwierig werden. Um acht Uhr trafen wir uns am Flugplatz, beluden unseren Motorsegler mit leichtem Gepäck, Proviant und sämtlichem Flugvorbereitungsmaterial.

Nachdem sich die zweite Besatzung, von Mosbach kommend, über Besigheim gemeldet hatte, starteten wir und gingen gemeinsam auf Kurs Richtung Villshofen bei Passau wo wir nach exakt zwei Stunden Flugzeit ankamen. Nach einem sehr schmackhaften Mittagessen und einer für alle Eventualitäten mit dem dortigen Tower-Controler durchgesprochenen Wetterberatung starteten wir um 13.18 Uhr in Richtung Fertöszentmiklos.

Wiener Wald

Wiener Wald

Ab Linz hatten wir aufliegende Bewölkung, so dass wir Richtung Norden fliegen mussten. Bis zur tschechischen Grenze hatte sich das Wetter so weit gebessert, dass wir wieder Richtung Osten fliegen konnten. Nach einer Stunde und 21 Minuten landeten wir im weltberühmten Weinort Krems, wo wir von der Wiener Luftaufsicht bereits angemeldet waren.

Da auf dem weiteren Kurs noch massive Regenschauer standen war es ratsam weitere zwei Stunden zu warten. Die Zeit wurde uns trotzdem nicht zu lang, denn in der zugehörigen Flugplatzschenke wurden wir sehr liebevoll mit Kaffee und sehr guter Wiener Schokoladentorte versorgt. Der weitere Flug führte uns nach Wiener-Neustadt wo wir Zoll- und Ausreiseformalitäten erledigen mussten. Für die Bearbeitung dieser Unterlagen mussten wir ca. eine Stunde warten. Während dieser Wartezeit besichtigten wir das hochmoderne Kommunikationszentrum und den Service-Bereich der dort ansässigen Firma Diamond Aircraft - ein international bekannter Hersteller von Leichtflugzeugen.

Wiener Neustadt

Wiener Neustadt

Nach dem Erhalt der Ausfluggenehmigung dauerte der letzte, sehr stimmungsvolle Flugabschnitt entlang des Neusiedler Sees nach Fertöszentmiklos ganze 24 Minuten. Dort wurden wir von einem missgelaunten Zollbeamten empfangen (übrigens der einzige missgelaunte Ungar in drei Tagen).

Anschließend wurden wir von Herrn Laaber begrüßt, der uns umgehend in den Speisesaal der örtlichen Schule brachte. Dort wurden wir sehr herzlich von den beiden Bürgermeistern Lacatosch und Trettner sowie von vielen mitgereisten Pleidelsheimer Bürgern empfangen. Das anschließende, sehr schmackhafte Abendessen brachte dann das innere Gleichgewicht wieder ins Lot. Den Tagesabschluss  bildete eine unter Musikbegleitung, im Feuerwehrmagazin durchgeführte sehr launige Weinprobe. Ich muss sagen der Wein schmeckte mir sehr. Gegen Mitternacht fielen wir todmüde, aber bei bester Stimmung über den gelungenen Hinflug, ins Bett.

Fertöszentmiklos

Fertöszentmiklos

Am Samstag besuchten wir zunächst einen sehr feierlichen Gottesdienst und den offiziellen Festakt des Feuerwehrfestes. Ab 13:30 Uhr waren wir mit unseren Fliegern Richtung Plattensee (Balaton) unterwegs. Während dieses Fluges war die Thermik so außerordentlich gut, dass es jeder bedauerte jetzt nicht in einem Segelflugzeug zu sitzen. Als wir den Plattensee überflogen staunte jeder über das milchig weiße Wasser in dem sich die Wolken in einzigartiger Weise spiegelten.

Bevor wir uns am Abend von unseren ungarischen Gastgebern verabschiedeten, wurden wir vom zweiten Bürgermeister zu einem ausgezeichneten Spezialitätenessen mit Musik eingeladen. Den Hin- und Rückweg legten wir in und auf dem ehemaligen Pleidelsheimer Feuerwehrfahrzeug zurück. Nach dem Einholen der Wetterdaten und dem Erledigen der Zollformalitäten starteten wir am Sonntag um 10:31 Uhr zu einem problemlosen Heimflug.

Garde in Aktion

Garde in Aktion

Der Wettergott belohnte uns mit einem über weite Strecken wolkenfreien Himmel. Die Flugstrecke war diesmal: Fertöszentmiklos, Neusiedler See, Wiener Wald, St. Pölten, Linz, Villshofen bei Passau, Ingolstadt, Aalen, Pleidelsheim. Als wir an Ingolstadt vorbeiflogen übermittelte irgendein Mitflieger das Ergebnis des Fußballendspiels und bei Bopfingen erlebten wir zeitweise ein Fliegerfest vom Flugzeug aus.

Da wir auf dem Rückflug 60 km/h starken Gegenwind erwarteten, wählten wir, um aufzutanken, den süd-östlich vom Plattensee gelegenen Landeplatz »SIOFOK-KILITI«. Den Rückflug legten wir so an, dass wir zunächst am Südufer des Plattensees bis zu einem militärischen Sperrgebiet entlangflogen. Kurz bevor wir das Sperrgebiet erreichten, gab uns die Budapester Luftaufsicht den exakten Kurs um von Fertöszentmiklos zurückzukehren. Auf dem Rückflug mussten wir, wie erwartet, noch ausgedehnte Schauer umfliegen.

Abschiedstrunk

Abschiedstrunk

Für uns war der Flug nach Ungarn ein zwar anstrengendes aber sehr erlebnisreiches und lehrreiches Wochenende, und wir beschlossen alle einmal wieder zu kommen. Bedanken wollen wir uns bei unseren ungarischen Gastgebern und bei der Gemeinde Pleidelsheim, insbesondere bei Frau Eva Seyboldt, die uns jeden organisatorischen Wunsch erfüllte. Bedanken möchte ich mich aber auch bei Michael Beutel, der mit seiner unerschütterlichen Ruhe und Gelassenheit eine funktechnische und navigatorische Glanzleistung ablieferte.